Ein neuer Therapieansatz für Patienten mit Myasthenia gravis?

Die Orpha Selbsthilfe, ein Forum für Menschen mit seltenen Krankheiten (orphan diseases), informiert in einer Pressemitteilung über einen neuen Behandlungsansatz, der die Beschwerden einer Myasthenie lindern könnte.

In Tierversuchen hätten Forscher der Saint Louis University (USA) nachgewiesen, dass ein Protein aus dem Speichel von Zecken den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst.

Dabei gehen die Ärzte von der Annahme aus, dass eine Myasthenie durch eine Überreaktion des Komplementsystems ausgelöst wird. Dieses System ist ein Teil des Immunsystems und trägt zur Vernichtung von Bakterien und anderen Krankheitserregern bei.

Die Forscher wollen nun sogenannte Komplement-Inhibitoren entwickeln. Das sind Hemmstoffe, die der Überreaktion des Komplementsystems entgegenwirken.
Erste Ergebnisse lägen bereits vor. So hätte das Team herausgefunden, dass ein bestimmtes Protein (rEV576), das im Speichel von Zecken vorkommt, in Ergänzung zur konventionellen Behandlung die Reaktion des Immunsystems unterdrücken kann.

Nach der Presseinformation wurde die Wirkung des Proteins an zwei Gruppen von Ratten, die an einer leichten und schweren Form der Myasthenie litten, erprobt. Bei beiden Gruppen hätte sich der Gesundheitszustand deutlich verbessert.

Die Forscher seien zuversichtlich, den therapeutischen Erfolg auch beim Menschen nachweisen zu können. Da Zeckenbisse keine allergischen Reaktionen auslösen, sei es dann möglich ein Medikament ohne schwerwiegende Nebenwirkungen zu entwickeln.

Informationen unter: http://www.orpha-selbsthilfe.de

Die Pressemitteilung ist auf der angegebenen Website (http://www.orpha-selbsthilfe.de), allerdings heute nicht mehr auf der Startseite, sondern unter der Rubrik „Presse“. Ein anderer Weg den Artikel zu finden, führt über die Suchfunktion der Website.

5 Kommentare zu “Ein neuer Therapieansatz für Patienten mit Myasthenia gravis?

  1. Birgit Barth sagt:

    Hallo @all,

    nachdem ich gerade über Ihren Blog gestolpert bin, habe ich meinen Artikel noch einmal kontrolliert. Die Kritik war berechtigt, ich habe vergessen, den Link zur Quelle einzufügen. Das tut mir echt leid und ich habe es nunmehr im Artikel auf unserer Seite nachgeholt. Den Artikel bei uns auf der Seite finden Sie hier:

    http://www.orpha-selbsthilfe.de/index.php?ind=news&op=news_show_single&ide=168

    Mit freundlichen Grüßen
    Birgit Barth

  2. Jutta O. sagt:

    Hallo zusammen,

    unter dem Begriff „Komplement-System“ konnte ich mir bis dato nur wenig vorstellen. Als immunsupprimierter Patient wird man eher mit den Begriffen B-Zellen und T-Zellen vertraut gemacht, die unter dem Großbegriff Leukozyten und Lymphozyten auch für den Prozess der Auto-Antikörper verantwortlich sind. Das ist so meine Vorstellung als Patientin unter Immunsupprimierung: „Drauf auf die verdammten B-Zellen und T-Zellen…

    Wie ich jetzt lese, ist das Komplementsystem neben anderen Abläufen auch für das Anlocken von „weißen Blutkörperchen“ (Leukozyten) verantwortlich.

    Unter Azathioprin – klassische Immunsupprimierung – sind ebenfalls die Leukozyten (und Lymphozyten) häufig im Blutbild erniedrigt. Zumindest soll dies das Ziel der Behandlung sein. Trotzdem gibt es Patienten, die nach wie vor – selbst mit erniedrigten Leukozyten und Lymphozyten – nahezu immobil sind, mindestens jedoch nur unzureichend profitieren. Hierzu gehöre auch ich (Blutbilder gerne als Beweis). Und ich kenne Patienten, bei denen unter Azathioprin keine nachweisliche Immunsupprimierung im Blut feststellbar war. Dennoch war der Behandlungserfolg fantastisch! (Blutbilder gerne als Beweis).

    Und jetzt meine Fragen an den Ärztlichen Beirat:

    Dieses Zeckenspeichel-Protein soll das ganze Komplementsystem unterdrücken. Da dieses Komplementsystem an weitaus mehr „Immunprozessen“ beteiligt ist, als nur die Unterdrückung der B-Zellen und T-Zellen, könnten doch Non-Responder-Patienten (hier: kein Ansprechen auf Azathioprin) durch dieses neue „Zeckenprotein“ ein deutlich besseres Ansprechen auf die gesamte Immunsupprimierung erreichen? (Ich denke indirekt auch an die Patienten, die nicht umsonst „kombi-immunsupprimiert“ werden, z.B. Ciclosporin A und MMF (Sandimmun und Cellcept), weil eine „Variante“ anscheinend immer fehlt.

    Andererseits kann das Komplementsystem, wie ich dem Link von Dr. med. W. Hübl entnehme, auch bei Autoimmunerkrankungen – statt „zu sehr aktiviert“ – sogar erniedrigt sein. Siehe nachfolgenden Auszug von Dr. med. W. Hübl:

    „Allgemein: Ursachen einer Verminderung sind entweder der Verbrauch von Komplementfaktoren (Infektion, Autoimmunerkrankung), die zu geringe Bildung (z.B. schwere Leberschäden) oder Eiweißverluste (z.B. über die Nieren im Harn). Manche erblichen Defekte können auch zu Verminderungen der Komplementfaktoren führen.“

    Das hieße ja, dass dieses Zeckenspeichel-Protein wahrscheinlich nur bei Patienten Sinn macht, bei denen das Komplementsystem unter einer Autoimmunerkrankung erhöht ist…???? Oder deren Myasthenie grade im Ausbruch ist…, weil das Komplementsystem anfänglich noch stark genug ist.

    Sehe ich das richtig oder falsch? Als betroffene Patientin würde ich mich im Sinne aller Myasthenie-Patienten sehr freuen, von unseren Experten im Ärztlichen Beirat eine Antwort zu erhalten. Ich finde dieses Thema äußerst wichtig, denn viele Myastheniker leiden an Nebenwirkungen. Und es wird in der Tat Zeit für nebenwirkungsärmere Therapien mit deutlich mehr Nutzen. Viele Betroffene werden mir sicherlich recht geben.

    Vielen Dank im voraus für Ihre Mühe!

    LG Jutta O.

    Hier noch mal der Link von Dr. med. W. Hübl zum gesamten Thema: C3 und C4 sind 2 Eiweißstoffe des Komplementsystems (Englisch „Complement“).

    http://www.med4you.at/laborbefunde/lbef_c3c4ch50.htm

  3. Jutta O. sagt:

    Vielen Dank für die Info, wo der interessante Artikel zu finden ist.

    Hab ihn gefunden… !

    http://www.orpha-selbsthilfe.de/mkportal/presse/Myasthenia_gravis_mit_Protein_aus_dem_Speichel_von_Zecken_behandelbar.pdf

    LG Jutta O.

  4. Jutta O. sagt:

    Finde ich auch… wenn man hierzu eine seriöse Quelle angeben würde.

    Ich schreibe ja auch nicht, dass Fencheltee bei LEMS hiflt, wenn es dazu keine Quelle gibt.

  5. Wiebke Simson sagt:

    Gibt es dazu eine auffindbare Quelle oder einen konkreten Link? Ich finde auf orpha-sebsthilfe nichts über den Zeckenspeichel…

    Würde mich sehr freuen.

    PS. Noch schöner wäre es, wenn die Artikel hier den Autoren nennen würden, und nicht anonym erschienen…

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